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Die Leichtigkeit der Last

KATHARINA
LACKNER-TINNACHER

Tradition und Erwartungsdruck sind für Katharina Lackner-Tinnacher keine Bedrohung, sondern ein Mittel zu spielerischer Leichtigkeit und der Eleganz ihrer Weine.

 

Durch die raumhohen Wohnzimmerfenster fällt das warme Licht des späten Sommernachmittags bis in die Küche. Katharina Lackner-Tinnacher steht neben einem massiven Kühlschrank und hält eine Flasche Wein gegen die Sonne. Sie öffnet sie mit einer geschulten Handbewegung, spricht über elektronische Musik, dann über Klassik und bietet verschiedene Getränke und Snacks an. Alles gleichzeitig. Dinge gleichzeitig zu machen, schneller aufzufassen und zu analysieren, hart zu arbeiten und es alles ganz einfach aussehen zu lassen, ist so etwas wie das inoffizielle Mantra der jungen Winzerin.

Vermutlich ist es aber diese verwirrende, elfenhafte Leichtigkeit, mit der Katharina Lackner-Tinnacher durch ihr Weingut bei Gamlitz streift, die am meisten imponiert. Man fragt sich unweigerlich, ob sie im Unbeschwerten die einzige Möglichkeit findet, sich der schieren Last von 240 Jahren Familiengeschichte und Tradition zumindest kurzzeitig zu entziehen. Die Unbekümmertheit in ihrem Wesen ist unerwartetes Resultat ihrer Kindheit, sagt die Winzerin: „Bis ich 18 war, habe ich mir keine Gedanken gemacht, was ich einmal machen möchte“. Ein Luxus, wie sie sagt, den sie erst heute wirklich zu schätzen weiß.

Die Verbundenheit zum Wein ist aber trotzdem angeboren: „Wer auf einem Weingut aufwächst“, sagt Lackner-Tinnacher, „der kann sich dem Ganzen nur schwer entziehen“.

So lebhaft ihr Wesen, ihre Gesten und Bewegungen wirken mögen, so gegensätzlich ist ihre überlegte, ruhige und fokussierte Art zu sprechen. Wo ihre männlichen Kollegen sich gerne hemdsärmelig geben und beim Weinmachen ihr Bauchgefühl und ihre Intuition beschwören, schlägt Lackner-Tinnacher bedacht, aber ohne Scheu, einen anderen Weg ein: „Gute Winzer“, sagt sie, „brauchen wenig Talent, aber viel Wissen“. Die Abgrenzung und die Lust, gerade so viel an der Tradition zu rütteln, um nicht davon bestimmt zu werden, ist zu einer Triebfeder in ihrem Schaffen geworden.

Der Blick von außen, der Austausch mit Freunden, das Interesse an anderen Branchen und Kulturen sei es, was sie wach halte und schlussendlich wieder dem Wein zugutekäme: „Besonders als arrivierter Betrieb müssen wir immer wieder beweisen, dass wir nicht stillstehen oder uns ausruhen – zugleich aber sehr überlegt mit der eigenen Tradition umgehen und sie pflegen“, beschreibt Lackner-Tinnacher das eigene berufliche Spannungsfeld. Ob sie das einschüchtere? „Nein“, entgegnet sie bestimmt. Und muss dann doch ein wenig lachen.

Natürlich, Katharina Lackner-Tinnacher ist die einzige Frau unter den zehn STK-Winzern, was sie aber mit bewundernswerter Leichtigkeit ignoriert: „Meine Eltern hatten eben zwei Töchter“, sagt sie schulterzuckend über sich und ihre Schwester, die als Architektin Karriere macht. Kunst und Kultur sind aber auch für die Winzerin mehr als nur Ausgleich und Leidenschaft geworden: „Es ist wichtig, ein Leben neben dem Wein zu haben“, sagt sie und kommt dabei bewusst wieder ein Stück vom Weg all jener ab, für die Wein sturer Lebensinhalt und -mittelpunkt ist.

Der Tiefgang, den Katharina Lackner-Tinnacher in der Kunst sucht, findet sich stets in ihren Weinen. Elegant wie ihre Leidenschaft für Design sind die Weißweine des kleinen, aber traditionsreichen Bio-Betriebes. Die jugendliche Frische mischt sich unter langsame, vielfältige Aromen und lässt die Linie der jungen Winzerin deutlich erkennen. Sie lacht, natürlich, wenn es um das Geheimnis ihres Weins geht. Dann holt sie aus, spricht über besondere Böden, dem Vermächtnis von 240 Jahren Tradition und fasst es schlussendlich doch in unbeschwerter Manier zusammen: „Ich glaube, sympathische Winzer machen sympathische Weine.“

 

„Talent reicht
nicht,
Winzer
brauchen Wissen“

GROSSE STK LAGE
WELLES
46°41'17.9"N 15°30'37.9"E

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