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Die Ungeduld
des Eifrigen

CHRISTOPH POLZ

Christoph Polz ist niemand, der vor Tradition und schierer Größe kapituliert – sondern darin eine Brutstätte neuer Ideen findet. Und daraus besseren Wein denn je macht.

 

„Wein muss schmecken
wie der Berg,
von dem er kommt“

GROSSE STK LAGE
HOCHGRASSNITZBERG
46°40'56.2"N 15°37'42.6"E

Die Augen von Christoph Polz sind weit geöffnet. Sein Blick ist klar, er blinzelt ein wenig nervös im warmen abendlichen Sonnenlicht. Als könne er die Frage nicht abwarten, weil er sie längst kennt und er sich die Antwort in seinem Kopf schon zurechtgelegt hat. Der Winzer befindet sich zwar auf einer roten Couch, sitzen tut er deshalb aber nicht. Er stützt sich auf seine Hände, er hat den ganzen Tag hart gearbeitet und um ihn herum, in den Büros des Weinguts und der Buschenschank von Tante und Onkel, herrscht noch Hochbetrieb. Christoph Polz will der Müdigkeit nach einem langen Tag noch nicht nachgeben, er ist hellwach und steht unter Strom, als vereine er Ungeduld und Tatendrang zu einer ansteckenden Form des Eifers.

„Den Fokus zu finden“, sagt Polz und man fragt sich, wie lange er diese Antwort schon im Kopf hatte, „ist die erste und vielleicht wichtigste Aufgabe des Winzers. Wein muss schmecken wie der Berg, von dem er kommt“. Was oberflächlich betrachtet nach purer Logik klingt, ist in Wahrheit ein Politikum, ein diplomatischer Drahtseilakt eines jungen Winzers, dessen klare Vision von Wein auf riesige Verantwortung trifft. Das Weingut Polz ist einer der größten und erfolgreichsten Betriebe der Steiermark. Seit 1912 befindet es sich im Familienbesitz und wurde von Vater Erich und Onkel Walter, die es von ihren Eltern übernahmen, Stück für Stück zu seiner heutigen Größe ausgebaut. Seit über 20 Jahren prägt auch Onkel Reinhold den Weg des Familienbetriebs mit.

Ob dieser traditionsreichen Vorgeschichte hat Christoph Polz seinen Fokus als verantwortlicher Winzer und Kellermeister mit erstaunlicher Leichtigkeit gefunden. Er kapitulierte nicht vor der schieren Größe des Guts, vor der Tradition und der Verantwortung, sondern begann, in seiner klaren und schlichten Handschrift, ein neues Kapitel zu schreiben. Die Gründe für seinen Erfolg und die bewundernswerte Leichtigkeit seines Schaffens sieht Christoph Polz ausgerechnet in der Vergangenheit der Familie: „Die Tradition verlangt viel Feingefühl, erleichtert aber zugleich neue Ideen“.

Es sind das Fundament und die Vielseitigkeit des Guts, die den bodenständigen, aber neugierigen Zugang von Christoph Polz überhaupt erst möglich machen. Der Name Polz steht schließlich auch für die Weine des Weinguts Tscheppe, das Genussregal der Vinofaktur mit dem Genussregal in Vogau, sowie dem Gut Pössnitzberg mit dem Weinhotel, dem Kreuzwirt und dem Sektkeller. Das Streben nach Harmonie, Balance und die aufgeweckte Nachdenklichkeit des jungen Winzers lassen nicht nur das Gut weiter aufblühen, sondern schlagen sich vor allem in den ruhigen, aromatischen Weinen nieder, ihres Zeichens die vielleicht besten in der langen Tradition des Namens Polz.

Die harte Arbeit in den steilen Lagen, die Idee von einem neuen Wein, die Kombination aus Respekt und Aufbruchsstimmung seien es gewesen, die Christoph Polz die Angst vor der Mitarbeit am Gut nahmen. Eigentlich hätte der ältere Bruder an seiner Stelle stehen sollen, doch der schlug eine Karriere als Dirigent ein. „Am Anfang hast du nichts, keine Erfahrung, keine Autorität – nur eine Idee“, sagt Christoph Polz heute über den Moment, als er schlagartig im Rampenlicht stand. Der engen Freundschaft zu anderen STK-Winzern, dem Zusammenhalt der jungen Garde und dem steten Austausch verdankt der bescheidene Winzer laut eigenen Worten viel von seiner erstaunlichen Gelassenheit: „Diese Gemeinschaft ist ein großes Glück für mich persönlich als auch für den Wein an sich. Nur gemeinsam können wir dessen Entwicklung so schnell vorantreiben“.

Christoph Polz sitzt jetzt. Sein Blick ist ruhig, seine Stimme gedämpfter. Er ist bei sich angekommen und sagt: „Ich suche immer die Balance zwischen dem Leben mit dem Wein und dem Leben ohne“. Nur wer den Blick von außen bewahren kann, der kann langfristig herausragenden Wein machen, glaubt der junge Winzer. Jener Ruhe und Ausgeglichenheit, die Polz in seinen Weinen fand, scheint er nun in sich auf die Spur gekommen zu sein. Man muss sich keine Sorgen machen, dass Christoph Polz nicht findet, wonach er sucht. Ungeduld und Tatendrang sei Dank.  

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