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Sturm und Drang

ERWIN SABATHI

Erwin Sabathi macht und lebt Wein, seit er denken kann. Auf der Höhe seiner Kunst ist er längst angekommen – doch der Weg dorthin war wichtiger als das Ziel.

 

 

Auf der malerischen Terrasse, die wie eine Brücke die Verbindung zwischen Weingut und Berg herstellt, sitzt ein anderer Erwin Sabathi als noch vor einigen Jahren. Die beinahe reifen Trauben auf den Reben des Pössnitzberges und die sommerliche Nachmittagssonne im Rücken, wirkt er beinahe ruhig. Es ist nicht schwer, mit ihm ins Gespräch zu kommen, er überbrückt jedes leichte Anzeichen von unbequemem Schweigen mit einer lockeren Geste, einem sympathischen Schmäh oder einer kleinen Anekdote. Erwin Sabathi ist einer, der an der Bar eine ganze Runde alleine unterhalten kann, ohne sich dabei aufzudrängen. Doch das war nicht immer so.

„Früher“, sagt Sabathi und spricht mit der ihm eigenen Mischung aus Hemdsärmeligkeit und Extrovertiertheit, „wollte ich alles zerreißen“. Obwohl Erwin schon als Kind wusste, dass er eines Tages das seit 1650 mittlerweile in zehnter Generation im Familienbesitz befindliche Gut übernehmen würde, kam der Tag dann doch schneller als erwartet. Im Alter von 18 Jahren hatte er bereits seinen ersten Wein gemacht und eine Phase seines Lebens eingeläutet, die er heute lächelnd als „Sturm und Drang“ beschreibt.

„Ich war jung und ungestüm“, sagt er und klingt plötzlich nachdenklicher als zuvor: „Das merkt man dann auch im Wein“. Erst mit den Jahren habe Sabathi zur richtigen Balance gefunden, er reifte mit dem Wein und der Wein reifte mit ihm. Zwischen der Kindheit im Weingarten bis hin zum erfolgreichen STK-Winzer liegt eine lange Reise, durch die Erwin Sabathi zum Perfektionismus und vor allem zu sich selbst gefunden hat. Mit seinen Brüdern Gerd und Christoph formt er heute ein Team, das sich höchster Qualität verschrieben hat und sich auf dieser Mission immer wieder selbst übertrifft.

Seine klaren, runden Weine spielen heute mehr denn je mit dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Neuinterpretation, so wie der Winzer, der sie macht: „Ein guter Weinstock“, sagt Erwin Sabathi, „ist wie ein alter Herr. Früher war er ein Sportler, fit und jung, doch heute ist er gesetzter, überlegter und tiefgründiger“. Er lächelt, wohl wissend, dass er gerade nicht nur seinen Weingarten, sondern vor allem sich selbst beschrieben hat.

Sabathi wechselt Themen so schnell, wie seine Gedanken umherspringen, doch hat ihn einmal etwas gepackt, lässt er nicht mehr davon ab. Der Winzer hat es geschafft, die Vorzüge seiner jugendlichen Drangphase zu bewahren und sie zu einer seiner Stärken gemacht: Wenn Erwin Sabathi etwas will, dann bekommt er es. Nicht, weil er herrisch über sein Gut verfügt, sondern weil er vor kompromissloser Zielstrebigkeit nur so strotzt. Die feinsinnige, kreative Arbeit mit dem Wein liegt ihm ebenso wie die Umsetzung großer Projekte. 2004 vollzog er den kompletten Neubau seines Weinkellers und des mit Architekturpreisen überhäuften Hauses, auf dessen Terrasse er nun in der Sonne sitzt. „Talent“, sagt er, „ist die Grundlage. Alles andere ist reine Willenskraft“.

Willen, den er vor allem für die harte Arbeit in seinen steilen Lagen benötigt: „Es ist manchmal schwer“, gibt der Winzer zu, „doch das unwegsame Gelände und das Klima sind unsere größten Stärken“, sagt er in Hinblick auf die STK-Gemeinschaft. Sabathi, dessen Leidenschaft für Wein sich auch in seiner privaten Sammlung niederschlägt und vor allem seine Liebe zu Rotem Burgunder erkennen lässt, denkt kurz nach. „Die härteste Arbeit und der beste Berg nützen jedoch nichts“, sagt er plötzlich, „wenn der Charakter des Weins und des Winzers nicht deutlich wird“. Es geht ihm nicht nur um den Genuss, sondern vor allem um eine Reise, auf die er den Weintrinkenden mitnehmen will. Der Wein müsse sich entfalten, eine Geschichte erzählen und am Ende einfach sympathisch sein. Er lächelt. Schon wieder hat er nicht nur seinen Wein beschrieben.

„Wein braucht
Talent – und
einen unbändigen
Willen“

GROSSE STK LAGE
PÖSSNITZBERG
N 46° 37‘ 52.595“ O 15° 31‘ 23.115“

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