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Gipfeltreffen am 
Mittagstisch

FAMILIE TEMENT

Die Familie Tement macht Weine, die Launen haben und sich nicht einordnen lassen. Weil es um die Details geht, durch die aus Leidenschaft große Kunst wird.

Je hektischer es um ihn herum wird, desto ruhiger wird Armin Tement. Die frühmorgendliche Szenerie im Verkaufsraum beschreibt die Kunst eines großen Winzers unbeabsichtigt und doch treffsicher: Die Lesezeit hat begonnen, der ganzjährige Kampf mit der Natur gipfelt in einem Moment der Wahrheit und der Stress steht den Mitarbeitern des größten STK-Weinguts ins Gesicht geschrieben. Doch die Lautstärke, der Trubel und die Arbeit schärfen scheinbar nur den Fokus des Winzers. Armin Tement beobachtet das Treiben und reagiert mit zunehmender Ruhe, die wiederum sein Umfeld langsam zu entschleunigen scheint. Er hört aufmerksam zu, spricht langsam und wählt seine Worte mit erstaunlicher Behutsamkeit. Sein Wortschatz ist so umfangreich wie der eines Menschen, der weit mehr als nur Wein liest und doch gilt seine Aufmerksamkeit stets dem edlen Tropfen. Oder dem Gespräch darüber.

Die Hingabe zu vermeintlich kleinsten Details, die der Familie Tement seit jeher vorauseilt, wird für jeden, der mit dem Winzer ins Gespräch kommt, schnell vom unbestätigten Gerücht zur unwiderlegbaren Tatsache. „Die Leidenschaft“, sagt Armin Tement, „macht uns aus. Sie unterscheidet uns und treibt uns an“. Das war schon so, als seine Großeltern begannen, Wein zu machen und erst recht, als seine Eltern den Wein vom Hobby zur Lebensaufgabe emporhoben – zu einer Zeit, in der niemand an die Steiermark als Epizentrum einer ganzen Bewegung hin zu hochqualitativem Wein glaubte. Trends vorzugeben, anstatt ihnen nachzulaufen, ist eine der Traditionen der Familie.

Heute ist das Weingut Tement nicht zuletzt deshalb weit über die Grenzen hinaus ein Wahrzeichen für Qualität, die Region und nicht zuletzt die STK. Das kleine Bergplateau oberhalb der imposanten Riede Zieregg ist das Zentrum des Guts und bietet zugleich einen malerischen Überblick über das umfassende Lagenportfolio der Familie, bis weit hinter die slowenische Grenze. Armin Tement und sein Bruder Stefan haben die Gärten und Keller des Betriebes längst übernommen, Vater Manfred kümmert sich um die wirtschaftlichen Agenden und ist Ratgeber und Mentor zugleich. „Drei an vorderster Front“, sagt Armin und lacht. Der Familienbetrieb fällt seine Entscheidungen demokratisch und traditionell dort, wo Menschen, die sich den schönsten Formen des Genusses verschrieben haben, am liebsten zusammenkommen: am Mittagstisch.

„Wir verlangen von uns selbst und unseren Mitarbeitern Höchstleistungen“, sagt der Winzer und meint es weder einschüchternd, noch prahlerisch – sondern fast nachdenklich: „Wein machen“, sagt er, „ist nicht schwer. Die Kunst liegt in der Optimierung und in den Details“. Optimierung bedeutet für die Familie Tement vor allem Leidenschaft, Reduktion aufs Wesentliche und das Vertrauen auf das eigene Gespür. Niedrigste Erträge sind das Resultat dieser perfektionistischen Einstellung, sorgen jedoch für ungemein elegante Weine, die sich dank ihrer außergewöhnlichen Lagerfähigkeit gerne Jahre Zeit lassen dürfen, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Wein gleicht für Armin Tement jedoch keinem Kunstwerk, sondern beinahe einem Lebewesen: „Ich will, dass die Herkunft eines guten Weins greifbar wird. Ihn zu trinken, soll ein Erlebnis sein, das jedes Mal anders ist“. Die gleiche Flasche Wein, so Tement, soll je nach Öffnungszeitpunkt anders schmecken. „Ein Wein darf Launen haben“, sagt der Winzer, „das macht ein Naturprodukt aus – und genau das treibt uns an“.

So wie die eigene Leidenschaft die Familie Tement antreibt, so treibt die Familie selbst die Gemeinschaft der STK-Winzer an. Der Name Tement eröffnet anderen Winzern so manche Gelegenheit, verpflichtet aber gleichzeitig zur Perfektion. Armin Tement, der nachdenkliche Beobachter, zieht aus der Gemeinschaft Inspiration und Lehren. Wein, sagt er, entstehe im Garten, nicht im Keller: „Wenn wir draußen alles richtig machen, stehen uns als Gemeinschaft praktisch alle Türen offen“. Diese Herausforderung – die harte Arbeit in den Gärten und die Hingabe zu noch so kleinen Details – ist für ihn keine Last, sondern eine Chance.

Denn wie sein Wein, nimmt Armin Tement jeden Moment auf, verarbeitet ihn und zieht seine eigenen Schlüsse daraus: „Einmal im Jahr“, sagt er, „pressen wir all diese Momentaufnahmen aus den Trauben“. Jahr für Jahr steigt dabei die Routine, Jahr für Jahr werden die Details deutlicher erkennbar. Und mit ihnen die Kunst eines großen Winzers.

GROSSE STK LAGE
ZIEREGG
46°41,13`N, 15°36,69´ E

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